Die FAZ schreibt am 25.11.2012, dass die Internationale Energieagentur (IEA) im Jahresbericht 2012 feststellt, die USA werde bis 2017 zum weltweit führenden Erdölproduzenten und damit die bisher führenden Länder Russland und Saudi-Arabien hinter sich lassen. 2015 würden die USA auch beim Erdgas die Weltspitze übernehmen.

Sie wären dann die größten Förderer fossiler Energierohstoffe und könnten bis 2035 unabhängig von Öl- und Gas- Importen werden. Diese Prognose basiert auf den Schiefergasvorkommen in den USA, die für die nächsten 100 Jahre reichen sollen.

Doch die Schiefergasförderung hat ihren Preis, wie sich schon jetzt in den Staaten der USA zeigt, in denen seit 2005 Schiefergasförderung mit Fracking betrieben wird. Auch in den USA ist diese Technik umstritten.

Für die Bohrplätze müssen Flächen eingeebnet und von jedem Bewuchs befreit werden. Der Transport von Gerät, Wasser und Chemikalien und der Transport des Gases erfordert große Lastwagen und Straßen, die gebaut werden müssen. Die teilweise giftigen Chemikaliengemische, die eingesetzt werden, verbleiben nicht nur im Erdreich, sondern sickern auch in das Grundwasser. Riesige Abwasserseen entstehen, in denen das sogenannte "Flowback" gelagert wird. Die Rückstände können von der Industrie nicht gereinigt werden, weil die entsprechende Klär-Technologie fehlt. Die Flüssigkeiten gefährden Flüsse und Seen. Dennoch feiert man "Fracking" als Riesenerfolg. Ein Viertel der USA Gasförderung wird inzwischen mit der unkonventionellen Methode betrieben. Die Firmen werfen immer größere Gasmengen auf den Markt, wodurch der Gaspreis rapide gesunken ist und die Aktienkurse von Exxon und Chevron einbrachen.

Die negativen Folgen für die Umwelt und für die Bürger sind z.B. in North Dakota, Pennsylvania, Lousiana u.a. sind deutlich sichtbar. Die betroffenen Farmer beginnen um ihre Gesundheit und die ihres Viehbestandes zu kämpfen. Die anfängliche Euphorie über die neue Erwerbsquelle ist dort schon dahin. Ein Thema, dass in dem neuen amerikanischen Film "Promised Land" aufgegriffen wird. Darin spielt Hollywoodstar Matt Damon den Mitarbeiter einer Erdgasfirma, der armen Farmern ihre Äcker und Weiden für Schiefergasbohrungen abschwatzen soll. Die aber bemerken bald, dass bei dem Deal nur die Erdgasfirmen gewinnen werden.

Großkonzerne wittern auch in Europa einen gigantischen Markt. Auf dem Kontinent sollen lt. aktueller Studie des UmweltBundesAmtes allein in Deutschland 1,3 Billionen Kubikmeter Schiefergas im Untergrund vorhanden sein. Könnte man diese Gasmenge komplett fördern, könnte der Gesamtenergiebedarf in Deutschland mutmaßlich für 13 Jahre gedeckt werden. Gewinner wären z.B. Firmen wie ExxonMobil, die BASF-Tochter Wintershall und andere, die sich in Europa um Bohrrechte bemühen. Dabei ist bisher überhaupt nicht klar, wie viel des vorhandenen Gases überhaupt gefördert werden kann. Ebenso sind die Umwelt- und Gesundheitsschäden durch die bei Fracking eingesetzten Chemikalien unkalkulierbar.

Im Jahre 2012 haben sich in Europa zahlreiche Initiativen gebildet, die sich vehement gegen Schiefergasbohrungen mit Fracking aussprechen und gemeinsam ein generelles Fracking Verbot fordern. Wir sind der Meinung, dass die Gefahren, die mit Fracking verbunden sind, in keinem Verhältnis zu dem von den Firmen erwarteten Nutzen stehen. Eine hochriskante Technologie, die nur bei der Förderung der gesamten vorhandenen Gasmenge für max. 13 Jahre einen erkennbaren Nutzen bringen würde, deren negative Folgen aber dauerhaft z.B. zur Verunreinigung des Grund- und Trinkwassers, der Veränderungen und Zerstörung der Natur und des Untergrundes führen kann. Solche Technologie ist nicht akzeptabel.

Politiker spielen mit der Angst der Bürger vor der Abhängigkeit bei Rohstoff-Importen und vor steigenden Preisen. Sie scheinen davon überzeugt zu sein, dass Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit in Deutschland unverzichtbar ist.

Wir sind der Meinung, dass angesichts der Risiken bei der Schiefergasförderung mit Fracking, statt dessen technisch und finanziell verstärkt in die Energiewende investiert werden muss. Ziel ist, so schnell wie möglich von fossilen Energierohstoffen unabhängig werden. Es gibt bereits viele Forschungen zur intelligenten Energieerzeugung und -speicherung. Schon heute wird beispielsweise als Zukunftstechnologie die Nutzung von Windstrom zur Synthese von Wasserstoff und Methan in Pilotanlagen getestet. Zur Speicherung von Strom aus Wind und Sonne zur dezentralen Versorgung sind ebenfalls schon Lösungen gefunden worden.

Bei der Konzentration auf Schiefergas, den fossilen Rohstoff, der, wie auch EU Energiekommissar Oettinger behauptet, angeblich als Übergangslösung bei der Energiewende unverzichtbar ist, sehen wir dagegen für unsere Zukunft schwarz!